Gesellschaft

Opfer oder Gestalter? Jugendliche zwischen Abgrenzung und Selbstbewusstsein

Marie Fischer17. Juni 20263 Min Lesezeit

Viele Jugendliche fühlen sich in unserer Gesellschaft als Opfer. Doch was steckt hinter dieser Wahrnehmung? Ist Abgrenzung wirklich der einzige Weg?

In der heutigen Zeit könnte man meinen, dass Jugendliche vor allem eines sind: Opfer. Sie hören ständig, dass die Gesellschaft sie benachteiligt, dass sie mit Problemen konfrontiert werden, die sie nicht selbst verursacht haben. Und es ist nicht zu leugnen, dass die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, groß sind. Aber ist diese Opferrolle wirklich die einzige Perspektive, die sie einnehmen sollten?

Die Opferrolle und ihre Folgen

Es ist interessant zu beobachten, wie diese Idee von der Opferrolle bei vielen Jugendlichen Fuß gefasst hat. Man könnte fast meinen, es sei eine Art Schutzmechanismus. Wenn man sich als Opfer sieht, hat man eine Erklärung für das eigene Leid. Natürlich ist es nicht falsch, die schwierigen Umstände zu erkennen. Aber irgendwann könnte diese Sichtweise zur Selbstwahrnehmung werden, und das kann gefährlich sein.

So entsteht eine Art Teufelskreis. Die Betroffenen fühlen sich hilflos, und oft haben sie auch das Gefühl, dass sie nichts tun können, um ihre Situation zu verändern. Manchmal führen diese Gedanken sogar zu einer gewissen Resignation. Warum sich bemühen, wenn man ohnehin nur unter den Gegebenheiten leidet? Doch genau hier ist das Problem: Diese Resignation verhindert oft, dass Jugendliche aktiv an ihrer Zukunft mitarbeiten.

Die Suche nach Identität

Wenn Jugendliche sich abgrenzen wollen, dann ist das meist auch ein Zeichen dafür, dass sie ihre Identität suchen. Die Frage ist nur: Wie? Oft wird die Abgrenzung zur Gesellschaft und ihren Vorgaben zum neuen Lebensmotto. Man sieht das häufig in den Social Media, wo immer mehr Jugendliche ihre eigenen Kreise bilden und sich von den mainstream Werten abkapseln. Das lässt sich leicht beobachten in Form von speziellen Gruppen oder Subkulturen. Hier haben sie das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein, was sie selbst kontrollieren können. Man könnte sagen, dass diese Gruppen eine Art Rückzugsort bieten. Nach dem Motto: „Hier bin ich nicht das Opfer, hier bin ich Teil einer Gemeinschaft.“

Das kann einerseits positiv sein, da Jugendliche so Unterstützung finden. Aber andererseits besteht auch die Gefahr, dass sie abdriften. Sie könnten in eine Blase geraten, in der sie nur noch die Meinungen und Perspektiven ihrer Gruppe hören und andere Ansichten ausblenden. Das führt schnell dazu, dass sie ein verzerrtes Bild von der Realität entwickeln und ihre Möglichkeit, die Gesellschaft aktiv zu gestalten, verlieren.

Verantwortung und Empowerment

Es gibt jedoch einen anderen Ansatz, der vielversprechend sein könnte: Verantwortung übernehmen. Anstatt sich als Opfer zu sehen, könnten Jugendliche lernen, sich als Gestalter ihrer eigenen Zukunft zu betrachten. Das klingt zunächst vielleicht anstrengend, aber wenn wir darüber nachdenken, gibt es viele Wege, wie sie das tun können. Das beginnt schon in der Schule. Dialoge über soziale Themen und das Einbringen eigener Ideen können helfen, ein Gefühl von Gestaltungsfreiheit zu entwickeln.

Manchmal kann es auch helfen, Vorbilder aus der eigenen Umgebung zu finden. Menschen, die ebenfalls mit Schwierigkeiten konfrontiert waren, aber aktiv an ihrer Situation gearbeitet haben und diese gemeistert haben. Es gibt viele Jugendliche, die sich engagieren, sei es im Umweltschutz oder in der Sozialarbeit. Diese aktiven Beiträge können motivierend wirken und zeigen, dass Veränderung möglich ist, wenn man bereit ist, dafür zu kämpfen.

Wenn Jugendliche erkennen, dass sie nicht allein sind und dass sie die Fähigkeit haben, positive Veränderungen herbeizuführen, könnte sich ihr Blick auf die Gesellschaft grundlegend verändern.

Ein Umdenken könnte notwendig sein, um aus der Opferrolle auszubrechen. Die Gesellschaft sollte auch ihren Teil dazu beitragen. Indem sie Räume schafft, in denen Jugendliche ihre Stimmen erheben können und indem sie ihnen die Werkzeuge gibt, um aktiv zu werden, können wir ermöglichen, dass diese Generation nicht nur über ihre Frustrationen spricht, sondern auch über ihre Visionen.

Es ist an der Zeit, den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich als aktive Teilnehmer an der Gesellschaft zu sehen – nicht als Opfer, sondern als Gestalter ihrer Zukunft.

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